Kreisfeuerwehrverband Euskirchen e.V.

 
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Start Informationen Einsätze Busunfall auf der BAB 1 bei Euskirchen

Busunfall auf der BAB 1 bei Euskirchen


Ein mit dänischen Jugendlichen besetzter Reisebus kommt auf der A 1 bei Euskirchen (NW) von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und schleudert mit dem Heck in ein Feld. Zwei Insassen im Alter von 17 und 18 Jahren sterben, 58 werden teils lebensgefährlich verletzt. Innerhalb von zwei Stunden gelingt es den 412 eingesetzten Rettungskräften, sämtliche Betroffene in umliegende Krankenhäuser und Kliniken zu verbringen. Ein Erfolg für das bewährte Rettungssystem des Kreises Euskirchen, das nach mehreren Massenunfällen und Großschadensereignissen Mitte der 80er Jahre völlig neu aufgestellt und fortlaufend optimiert wurde.

 

Für die Jugendlichen aus dem Süden Dänemarks sollte es das Ende eines ausgelassenen Sommerurlaubs werden. Zwei Wochen lang hatten die Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren in Lloret de Mar an der spanischen Costa Brava die Sommerferien genossen. Am Abend des 17. Juli trat die Gruppe mit zwei Bussen die Heimreise an. Der Weg sollte über Frankreich quer durch Deutschland bis nach Dänemark führen. Die Stimmung war ausgelassen, Erinnerungen an die vergangenen Tage machten die Runde. Erst am späten Abend schlief der Großteil der 66 jugendlichen Businsassen ein.

Am Sonntagmorgen, 18. Juli, passieren die beiden Reisebusse die Autobahn 1 im Kreis Euskirchen (NW). Im Innern der beiden Doppeldecker schlafen zu diesem Zeitpunkt die meisten Dänen noch. Hinter der Autobahnanschlussstelle Euskirchen-Frauenberg in Fahrtrichtung Köln nähern sich die beiden Busse dem Autobahnkreuz Bliesheim.

Wie die Kölner Staatsanwaltschaft später ermittelt, gerät der erste der beiden Busse vermutlich aufgrund eines Fahrfehlers oder einer Unachtsamkeit des 58-jährigen Busfahrers in Höhe Kilometer 447 nach rechts von der Fahrbahn ab. Anschließend touchiert der Doppeldecker die Leitplanke und deformiert diese auf einer Länge von rund 100 Metern. Der 25 Tonnen schwere Bus bricht daraufhin mit dem Heck aus und beginnt zu schleudern. Unmittelbar neben einer Unterführung, durch die ein geteerter Wirtschaftsweg unterhalb der Autobahn verläuft, kommt der Bus nach einem Überschlag auf der linken Seite liegend zum Stillstand. Das Heck schlägt am Rande eines Feldes auf; die Front des Doppeldeckers liegt gerade noch so auf der Autobahn auf.

„Ein Knall hat mich aufgeweckt. Sofort fingen einige im Bus an zu schreien“, erinnerte sich der 17-Jährige Martin Audekjär, der zum Zeitpunkt des Unfalls schlief. „Es ging alles rasend schnell. Glas brach, Splitter waren überall. Dann riss Metall.“ An den Aufprall selbst kann sich der 17-Jährige nicht mehr erinnern. Der junge Mann wurde nur leicht verletzt und kam mit blauen Flecken und Glassplittern in der Haut davon.

Weniger glimpflich endete der Urlaub für 58 andere Businsassen. 21 von ihnen wurden leicht, 37 schwer verletzt. 14 waren vital bedroht. Für zwei 17 und 18-jährige Dänen kam jede Hilfe zu spät. Sie hatten im vorderen Teil des Busses geschlafen und wurden bei dem Überschlag auf der Stelle getötet.

In den neuen Räumen der Rettungsleitstelle im Euskirchener Kreishaus ahnte am Sonntagmorgen noch niemand etwas von dem Unglück. Die beiden Dienst habenden Disponenten hatten gerade einen ausgedehnten Dachstuhlbrand im Südkreis abgearbeitet, als um 8.13 Uhr der erste Notruf einging. Der Melder machte Angaben über einen Busunfall mit mehreren Verletzten auf der Autobahn. Noch während einer der Disponenten den Anrufer instruierte, die Lage zu erkunden und erneut anzurufen, liefen weitere Notrufe ein.

Aufgrund der Schilderungen alarmierten die Disponenten nach der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) für einen Massenanfall von Verletzten (MANV) der Stufe 3 mit zehn bis 20 Betroffenen zunächst sechs Rettungstransportwagen (RTW), zwei Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) sowie einen Rettungshubschrauber (RTH). Parallel dazu wurden der rettungsdienstliche Führungsdienst mit dem Leitenden Notarzt (LNA) und Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL) sowie Kreisbrandmeister Udo Crespin (A-Führungsdienst) als Gesamteinsatzleiter nach der AAO in Marsch gesetzt.

Die Stadtfeuerwehr Euskirchen entsandte einen erweiterten Löschzug mit den Löschgruppen Frauenberg und Wisskirchen, dem Löschzug Euskirchen-Zentrum sowie Einsatzleiter Rolf Stupp als eingeteilten Führungsdienst der Kommune (B-Führungsdienst).

Während die ersten Einsatzfahrzeuge auf die Autobahn auffuhren, gingen in der Rettungsleitstelle weitere Notrufe ein. Inzwischen war von einem stark beschädigten Bus die Rede; die geschätzte Anzahl der Verletzten schwankte erheblich. Noch auf der Anfahrt ließ Kreisbrandmeister Crespin vorsorglich den ELW 2 der Feuerwehr Euskirchen, die Maschinisten des Gerätewagens-Rettungsdienst sowie die Führungskräfte der Schnelleinsatzgruppen der Hilfsorganisationen alarmieren. Auch das Leitstellenpersonal wurde aufgestockt, alle fünf Leitstellentische besetzt.

Bereits sieben Minuten nach dem Alarm erreichte der RTW Euskirchen als erstes Rettungsmittel die Unfallstelle. Die Sanitäter berichteten der Rettungsleitstelle während ihrer Fahrt durch den Rückstau von einem auf dem Standstreifen stehenden Bus. Davor lagen mehrere offenbar verletzte Personen. Erst als der RTW diesen Bus passierte, entdeckten die Retter den havarierten Doppeldecker. Der Rettungssanitäter erkundete zunächst das nähere Umfeld, während der Rettungsassistent die weitere Umgebung der Unfallstelle in Augenschein nahm. Dabei konnte er von der Autobahn auf den Feldweg herabblicken und bereits eine Vielzahl von Verletzten erkennen, die bereits von anderen Businsassen abgelegt worden waren.

12 Minuten nach der Alarmierung traf der Löschzug der Stadtfeuerwehr Euskirchen, zwei Minuten später der Kreisbrandmeister, an der Unfallstelle ein. Die sofortige Erkundung ergab, dass mit mehr Verletzten als zunächst angenommen, gerechnet werden musste. Viele Betroffene hatten sich bereits durch das Heck des Busses auf den unter der Autobahn verlaufenden Wirtschaftsweg gerettet. Andere stiegen über eine Betriebstreppe am Rande der Unterführung auf die Autobahn auf.

Umgehend erhöhten die Disponenten auf die Alarmstufe MANV 4, der zweithöchsten Alarmstufe mit bis zu 40 Verletzten und alarmierten die Schnelleinsatzgruppen des Kreisrettungsdienstes, des DRK und des MHD. Diese wurden nach mehreren Großschadensereignissen, darunter auch drei Busunfälle 1985, 1988 und 1989, dem Amoklauf im Euskirchener Amtsgericht und dem Brand in Kreiskrankenhaus Mechernich, in ihrer Struktur optimiert. Während die SEG Rettung und die SEG Ärzte für die Erstversorgung der Patienten verantwortlich zeichnet, nehmen die SEG Transport, die SEG Betreuung, die SEG Behandlungsplatz und die SEG Versorgung weitere Spezialaufgaben wahr.

Die Notfallversorgung im Kreisgebiet wurde zwischenzeitlich von drei RTW und einem NEF sichergestellt.

Die Struktur des Doppeldeckerbusses wurde von der Einsatzleitung gleich zu Beginn an als äußerst brisant eingeschätzt. Nicht nur, dass der Bus lediglich mit einem geringen Teil seiner Front – etwa 30 Zentimeter - auf der Autobahn auflag und abzurutschen drohte. In der Dachkonstruktion klafften zudem tiefe Risse; ein Auseinanderbrechen des Aufbaus schien möglich. Mit der Seilwinde des RW 2 aus Euskirchen wurde der Bus gesichert, parallel zwei 60-Tonnen-Kräne über Funkmeldeempfänger angefordert.

Seit dem Wegfall des Feuerwehrkrans des Löschzugs Kall im Juli 2002 wird die Erreichbarkeit der Kranunternehmer im Kreis Euskirchen über eine Rufbereitschaft sichergestellt, so dass stets eine ausreichende Anzahl dieser Spezialfahrzeuge zur Verfügung steht.

Die beiden Kräne konnten aufgrund der geringen Verkehrsdichte am Sonntagmorgen ungehindert zur Autobahnauffahrt Euskirchen fahren und wurden dort von der Autobahnpolizei Köln empfangen, die sie durch den zwischenzeitlich dichter gewordenen Rückstau leitete.

Die weitere Erkundung an der Einsatzstelle ergab unterdessen, dass sich noch neun Verletzte in dem Bus befanden. Sie waren zum Teil eingeklemmt und mussten mit hydraulischem Rettungsgerät befreit werden.

Kreisbrandmeister Udo Crespin entschied sich von Beginn an zur Bildung von Einsatzabschnitten: Ein Einsatzabschnitt „Gefahrenabwehr“ (Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung) und ein Einsatzabschnitt „Verletztenversorgung.“ Darüber hinaus wurden drei Einsatzschwerpunkte erkannt: Die Autobahn, auf der der Bus weiterhin mit der Front des Busses auflag, das Businnere und die Heckpartie des Busses neben dem unterhalb der Autobahn verlaufenden Wirtschaftsweg.

Das zuerst an der Unfallstelle eintreffende Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) aus Euskirchen übernahm den Einsatzabschnitt „Autobahn“, das zweite NEF den Einsatzabschnitt „Wirtschaftsweg.“ Der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Euskirchen, Rolf Stupp (B-Führungsdienst), zeichnete für den Einsatzabschnitt „Bus“ verantwortlich.

In der Erstphase stellten die Euskirchener Wehrmänner den Brandschutz sicher, stiegen die Böschung herab und begannen vom Heck aus mit der Rettung der Eingeklemmten. Parallel dazu wurden die beiden Frontscheiben des Doppeldeckers eingeschlagen, um Rettungs- und Befreiungsöffnungen zu schaffen.

Über Steckleitern gelangten die Wehrmänner in das Innere des Busses und erkundeten vorsichtig die Lage. Eine hochgefährliche Aufgabe, wie Kreisbrandmeister Udo Crespin im Nachhinein anerkennt, denn die Auflagefläche des Doppeldeckers auf der Autobahn betrug gerade einmal 30 Zentimeter.

Am Heck des Fahrzeugs verfolgte unterdessen ein Notarzt die Rettungsarbeiten und gabt den Feuerwehrleuten Anweisungen, ob die aus dem Bus geretteten Patienten noch im Fahrzeug – beispielsweise durch das Anlegen von Halskrausen - zu immobilisieren waren. Ein weiterer Trupp der Feuerwehr rettete trotz hoher Eigengefährdung einen Schwerstverletzten, der unter dem Bus liegt.

Parallel dazu wurden die Löschgruppen Lommersum, Weilerswist und Vernich der Gemeindefeuerwehr Weilerswist mit deren Gemeindebrandinspektor Peter Dietz (B-Führungsdienst) alarmiert. Sie sollten den unteren Teil der Einsatzstelle, also die Heckpartie des Busses, über den Wirtschaftsweg anfahren. Sie unterstützen im weiteren Einsatzverlauf die Gefahren abwehrenden Maßnahmen der Feuerwehr Euskirchen und gingen den Schnelleinsatzgruppen an der Patientenablage „Wirtschaftsweg“ zur Hand.

Auf einem Getreidefeld neben dem Doppeldecker wurde derweil ein Landeplatz für die zwischenzeitlich vier angeforderten RTH eingerichtet. Die Besatzung des ersten RTH „Christoph Europa 1“ aus Merzbrück bei Aachen übernahm dabei die Einweisung der landenden Maschinen.

Die Fahrzeuge der anrückenden SEG-Einheiten wurden von einem Führungsfahrzeug des Malteser Hilfsdienstes zum Rettungsmittelhalteplatz dirigiert, den die Einsatzleitung auf einer Kreisstraße in der Nähe des betroffenen Wirtschaftsweges einrichtete. Später wurde ein zweiter Rettungsmittelhalteplatz auf der anderen Seite der Autobahn gebildet.

Die anrückenden Rettungsmittel verlasteten ihre notfallmedizinische Ausrüstung auf Tragen und konnten über die Unterführung unmittelbar bis zur Heckpartie des Busses vordringen.

Etwa 20 Minuten nach dem Unfall verfügte die Einsatzleitung bereits über detaillierte Angaben zur Anzahl der Insassen, da sowohl die Reiseleiterin des unbeteiligten Busses, als auch der leicht verletzte Busfahrer des havarierten Doppeldeckers, als Ansprechpartner zur Verfügung standen. Die Reiseleiterin sprach deutsch und fungierte als Übersetzerin. Vorteilhaft erwiesen sich auch die Sprachkenntnisse einer Mitarbeiterin des Kreisrettungsdienstes, die fließend dänisch spricht.

Im weiteren Verlauf des Einsatzes übernahm die Gemeindefeuerwehr Weilerswist die Sicherstellung des Brandschutzes an der gesamten Einsatzstelle. Insbesondere das 80 Zentimeter hohe Kornfeld am RTH-Landeplatz, das aufgrund der Witterung knochentrocken ist, galt es dabei zu schützen. Die Wehr ging dabei sowohl mit Wasser, als auch mit Schaum und Pulver als Löschmittel in Bereitstellung. Insgesamt stellten die Einsatzkräfte um Gemeindebrandinspektor Peter Dietz (B-Führungsdienst) 6.500 Liter Löschwasser bereit.

Noch vor dem Eintreffen der ersten Schnelleinsatzgruppen wurden vom Fachdienstleiter Sanitätsdienst des DRK, Bert Spilles, in Absprache mit der Leitenden Notärztin Dr. Gisela Neff Patientenablagen, jeweils eine auf der Autobahn und eine auf dem tiefer gelegenen Wirtschaftsweg, gebildet. „Allerdings mussten wir uns an der vorgegebene Lage der Betroffenen orientieren, denn viele Verletzte wurde bereits durch andere Businsassen auf der Autobahn und dem Wirtschaftsweg abgelegt und konnten nicht mehr umgelagert werden“, erklärte Gemeindebrandinspektor Peter Ditz.

Dennoch gelang es, auf dem engen Wirtschaftsweg zwei Patientenachsen und eine mittige Materialachse (Patientenablage) zu schaffen und damit die in zahlreichen Übungen einstudierte Einsatzstellenstruktur weitgehend umzusetzen.

„Unser Ziel ist es im Allgemeinen, eine Patientenablage für die gesamte Einsatzstelle zu schaffen, um einen Überblick über die Betroffenen gewinnen zu können. Aufgrund der Situation an der Unfallstelle und der Tatsache, dass die Einsatzabschnitte untereinander nicht erschlossen, sondern nur über eine Behelfstreppe an der Autobahn zugänglich waren, mussten wir zwei Patientenablagen bilden“, ergänzte Kreisbrandmeister Udo Crespin. Auf der Autobahn kamen jedoch nur acht Rettungswagen des regulären Rettungsdienstes zum Einsatz, da sich der Großteil der Verletzten an der zweiten Patientenablage auf dem Wirtschaftsweg konzentrierte.

Nach Rücksprache mit der leitenden Notärztin Dr. Gisela Neff, zugleich ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes des Kreises Euskirchen, wurde von der Einrichtung eines Behandlungsplatzes Abstand genommen.

„Dass hätte zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn gemacht, weil die Aufnahmekapazitäten der umliegenden Krankenhäuser und Kliniken der Maximalversorgung sowie die Anzahl der Transportmittel ausreichend waren, um eine adäquate Versorgung und einen schnellen Abtransport der Verletzten zu gewährleisten“, erläuterte Kreisbrandmeister Crespin. Hinzu kam eine günstige Zeitkomponente, so dass der Bettenstatus der Krankenhäuser und Kliniken im Großraum Köln abgefragt werden konnte, während die Sichtung und Erstversorgung der Betroffenen begann. „Bereits eine Stunde nach dem Unfall stand die Patientenverteilung auf die Krankenhäuser fest. Wir mussten keine Verletzten zwangsweise zuweisen“, so Crespin.

Darüber hinaus kamen an diesem Sonntagmorgen ausschließlich Einsatzfahrzeuge aus dem Kreisgebiet Euskirchen zum Einsatz. Abgesehen von den RTH wurde keine überörtliche Hilfe angefordert. „Hätte sich der Unfall beispielsweise an einem Dienstagvormittag ereignet, hätten wir Kontingente der Nachbarkreise hinzu gezogen“, so Crespin.

In Abstimmung mit den Besatzungen der Rettungshubschrauber verständigte man sich darauf, die vital bedrohten Patienten auszufliegen. Alle vier RTH transportieren dabei jeweils zwei Patienten. Die Flugzeit zu den Unikliniken nach Köln, Bonn oder Aachen betrug keine zehn Minuten. Durch die gute Kommunikation zwischen der Rettungsleitstelle und den aufnehmenden Kliniken können die Patienten rasch übergeben werden.

Insgesamt galt es bei dem Busunfall 37 Schwerverletzte und 21 Leichtverletzte zu versorgen.

Auf der Autobahn gingen unterdessen der ELW 2 und ein ELW 1 der Stadtfeuerwehr Euskirchen in Position. Während im ELW 2 die Einsatzleitung in festgelegten Intervallen von 45 Minuten die Lage beriet, wurde im ELW 1 der Bettennachweis für die registrierten Patienten geführt.

Erstmals kamen bei diesem Einsatz die überarbeiteten Patientenanhängekarten nach NRW-Vorbild zum Einsatz, die seit dem Jahresbeginn 2004 vorgehalten wurden. Neben den Karten, die die Schnelleinsatzgruppen vorhalten, befinden sich jeweils zehn Stücke auf dem jedem Rettungsmittel, das im regulären Rettungsdienst eingesetzt wird.

Zwischenzeitlich trafen die ersten Gerätewagen der Schnelleinsatzgruppen ein, die am Rande des Hubschrauber-Landeplatzes über das 80 Zentimeter hohe Kornfeld zur Einsatzstelle geleitet wurden. Immer wieder fuhren sich die Fahrzeuge in dem unbefestigten Untergrund fest und mussten von den Helfern angeschoben werden.

Die sechs unverletzten Dänen und ein Großteil der Leichtverletzten wurden zunächst von der Unfallstelle weggeführt und etwas abseits der Patientenablage am Heck des Busses betreut. Dazu wurden auch zwei Zelte errichtet, in denen die Betroffenen von der Sonneneinstrahlung geschützt warten konnten.

Später wurden sie von Ersatzbussen in das DRK-Hilfsleistungszentrum neben der Euskirchener Kreisverwaltung gebracht, wo eine externe Betreuungsstelle eingerichtet worden war. Auch die Insassen des zweiten dänischen Reisebusses wurden in das Zentrum geleitet, da ihnen eine Weiterfahrt nicht zugemutet werden konnte.

Parallel dazu wurde im DRK-Zentrum ein Auskunftsbüro eingerichtet, das über eine Hotline zu erreichen war. Eine richtige Entscheidung, denn kurz nach der Ausstrahlung der ersten Unglücksbilder im dänischen Fernsehen wurde die Hotline stark frequentiert.

Nach und nach wurden die nicht vital bedrohten Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Nur zwei Stunden nach dem Unglück waren alle Betroffenen abtransportiert.

Auf Anordnung der Polizei nahm die Stadtfeuerwehr Euskirchen sichergestellte Gepäckstücke auf und transportierte diese mit einem Gerätewagen-Logistik zum DRK-Hilfeleistungszentrum. Nach der Freigabe durch die Staatsanwaltschaft konnten die Koffer und Taschen direkt an die Betroffenen ausgegeben werden.

Um 13 Uhr, also knapp fünf Stunden nach dem Busunfall, fand in der Euskirchener Kreisverwaltung eine Pressekonferenz statt, in deren Rahmen auch eine erste Bilanz gezogen werden konnte. Aus Sicht der Einsatzleitung verlief der Einsatz durchweg positiv und auch der Kölner Regierungspräsident Jürgen Roters, der die Unfallstelle zuvor besichtigt hatte, war voll des Lobes: „Durch diesen Einsatz wurden Menschenleben gerettet.“

Gegen 21 Uhr trafen die ersten Angehörigen der verunglückten Dänen am Hilfeleistungszentrum ein und wurden umgehend vom Kriseninterventionsdienst (KID) betreut. Der Kriseninterventionsdienst, dem unter der Federführung des DRK-Kreisverbandes Euskirchen Ärzte, Psychologen und speziell geschulte Helfer angehören, organisierte auch die Zusammenführung der Angehörigen mit den Verletzten in den Krankenhäusern.

Die Reiseleiterin des zweiten Busses nahm dabei aufgrund ihrer Sprachkenntnisse weiterhin eine Schlüsselfigur ein. Darüber hinaus meldeten sich bei der Polizei zwei Bürger, die ebenfalls dänisch sprachen und ihre Hilfe anboten.

Am 20. September fand in der Euskirchener Kreisverwaltung eine Führungsfortbildung für alle Zugführer und Leiter der Feuerwehren im Kreis Euskirchen statt, bei der der Einsatzablauf noch einmal kritisch durchleuchtet wurde. „Sind unsere Vorsorgeplanungen der vergangenen Jahre sinnig gewesen, oder haben wir einfach nur schnell abtransportiert?“, hinterfragte Kreisbrandmeister Crespin den Einsatzablauf und kam zu dem Ergebnis, dass das Zusammenspiel aller Helfer reibungslos verlaufen sei. "Die Versorgung der Verletzten war erstklassig, vor allem, weil die Feuerwehren von Anfang an mit in die Verletztenversorgung und Unterstützung in der Verletztenversorgung eingestiegen sind", so Crespin.

„Die Kameraden hätten sich auch aus der Verletztenversorgung zurückziehen können, doch stattdessen gingen sie den Schnelleinsatzgruppen zur Hand, trugen Schwerstverletzte zu den Rettungshubschraubern oder agierten als lebende Infusionsständer“, resümierte der Kreisbrandmeister.“ Einige Wehrleute mit der Qualifikation zum Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten hätten Verletzte bis zu deren Abtransport sogar völlig eigenverantwortlich behandelt.

Von Nachteil sei bei der Bewältigung des Einsatzes gewesen, dass man das neue Konzept zur Kennzeichnung von Führungsfunktionen nicht habe umsetzten können, da die Auslieferung der eigens entworfenen Warnwesten erst zum Jahresende 2004 erfolgt. Auch das zum Jahresbeginn novellierte Funkkonzept, das eine strikte Trennung der 2m-Kanäle zum Inhalt hat, fand keine Anwendung, da die bestellten Quarze für die vorhandenen Funkgeräte noch nicht vollständig beschafft werden konnten.

Oliver Geschwind, Pressesprecher Kreisfeuerwehrverband Euskirchen e.V. (Text und Fotos)


eingesetzte Kräfte:

86 Einsatzfahrzeuge

darunter 49 Transportfahrzeuge des Rettungsdienstes incl. RTH

412 Einsatzkräfte


Erstphase: regulärer Rettungsdienst Kreis Euskirchen mit 9 RTW, 2 NEF sowie 1 RTH (Christoph Europa 1, ADAC, Standort: Merzbrück bei Aachen)

 

im Folgenden:

RTH Christoph 3, Standort Köln, RTH Christoph 10, Standort Wittlich

 

FF Stadt Euskirchen:

LZ Euskirchen-Zentrum, LG Frauenberg, LG Wisskirchen:

KdoW, ELW 1, ELW 2, TSF, LF 8/6 (2 x), TLF 16/25 (2x), RW 2, LF 16/12, Gerätewagen-Logistik, GW-Öl, VRW, MTF,

 

FF Gemeinde Weilerswist:

LG Weilerswist, LG Vernich, LG Lommersum:

LF 16-Ts (2 x), MTF, RW 1, TLF 16/25, LF 8/6, GW-G, TLF 8/21, ELW 1, GW, KdoW

 

Gerätewagen-Rettungsdienst Kreis Euskirchen:

Der Gerätewagen-Rettungsdienst wurde vor acht Jahren beschafft und ist das materielle Herzstück der SEG-Rettung. Er ist mit einer umfangreichen notfallmedizinischen Ausstattung bestückt und soll verhindern, dass „die RTW an einer Einsatzstelle gnadenlos leer geräumt werden“, so Kreisbrandmeister Udo Crespin.

Der GW-Rett verfügt unter anderem über zwei aufblasbare Schnelleinsatzzelte, Rollcontainer mit 20 Vakuummatratzen und fünf Schaufeltragen, Einsatzrucksäcke für die Versorgung von jeweils zwei Patienten, Boxen mit Medikamenten und Infusionen, drei Beatmungsgeräte, drei Defibrillatoren und drei Absauggeräte.

Die Ausstattung kommt vor allem bei der Einrichtung eines Behandlungsplatzes zum Einsatz und erlaubt die Einbindung von Materialachsen zwischen den Betroffenen.

 

 

Geschichte der SEG im Kreis Euskirchen

Nach einem Busunfall auf der Autobahn 61 bei Weilerswist 1985 mit 13 Toten, 54 Verletzten und mehr als 1000 Betroffenen wurde deutlich, dass die vorhandenen Strukturen des Rettungssystems für derartige Schadenereignisse unzureichend waren.

Während die ersten Vorsorgeplanungen aufgenommen wurden, ereignete sich 1988 ein weiterer Busunfall mit vier Toten und 28 Verletzten, von denen 21 polytraumatisiert waren. Noch im gleichen Jahr wurden die ersten Schnelleinsatzgruppen aufgestellt und erste Regelungen über das Zusammenwirken von Rettungsdienst, Feuerwehr und Leitstelle getroffen.

1989 wurden bei einem dritten Busunglück acht Insassen verletzt. In den Folgejahren ereigneten sich weitere Großeinsätze, darunter der Amoklauf im Euskirchener Amtsgericht mit fünf Toten, der Brand in den psychiatrischen Kliniken in Zülpich-Hofen, der Brand im Kreiskrankenhaus Mechernich sowie die überörtlichen Hilfeleistungen beim Zugunglück in Brühl und beim Brand im Vergnügungspark „Phantasialand“ in Brühl.

Beim Attentat auf das Euskirchener Amtsgericht 1993 wurde erstmals die Einrichtung von Einsatzabschnitten praktiziert und als Folge des Ereignisses der Kriseninterventionsdienst ins Leben gerufen.

In den Folgejahren wurden die Schnelleinsatzgruppen in ihrer Struktur und ihrer Innenorganisation fortlaufend optimiert. Auch die Vorhaltung von Spezialfahrzeugen, wie etwa dem Gerätewagen-Rettungsdienst und eine eigene Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) für unterschiedlich gewichtete Massenanfälle von Verletzten (MANV), wurde forciert.


Organisation der Schnelleinsatzgruppen im Kreis Euskirchen:

Die Führung der SEG erfolgt durch den Organisatorischen Leiter (OrgL) und den Leitenden Notarzt (LNA). Die einzelnen Gruppen sind nach ihren Aufgaben untergliedert:

SEG Rettung

SEG Ärzte

SEG Transport

SEG Betreuung

SEG Behandlungsplatz

SEG Versorgung

Das DRK zeichnet für den Betrieb des Behandlungsplatzes, der MHD für den der Patientenablage verantwortlich. Die SEG Rettung und die SEG Ärzte werden von Einsatzkräften des Rettungsdienstens des Kreises Euskirchen gestellt.

Der Einsatzleiter Feuerwehr ist der Gesamteinsatzleiter und delegiert im Rahmen der Abschnittsbildung den Einsatzabschnitt „Verletztenversorgung“ an den OrgL.

Eine Sonderaufgabe kommt dem THW zu, das Behandlungsplatz und Patientenablagen ausleuchtet. Die LG Pesch stellt die Energieversorgung mit einem Generator sicher.

Aktualisiert ( Mittwoch, 17. Februar 2010 um 20:42 )