
Mit rund 300 Einsatzkräften aus dem Kreis Euskirchen, benachbarten Kommunen sowie internationalen Partnern sollte Ende Mai eine der bislang größten Waldbrandübungen in der Region stattfinden. Ziel der Übung war es, das neu entwickelte Waldbrandkonzept des Kreisfeuerwehrverbandes Euskirchen unter realistischen Bedingungen erstmals praktisch zu erproben. Trotz intensiver Vorbereitungen musste die Übung aufgrund einer aufziehenden Gewitterfront und mehrerer Blitzeinschläge im Übungsgebiet aus Sicherheitsgründen vorzeitig abgebrochen werden. Dennoch konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.
Sechs Monate Vorbereitung für ein anspruchsvolles Szenario
Seit Januar hatte ein Planungsteam um Christian Heinrichs die Großübung vorbereitet. Das angenommene Szenario sah einen Vegetationsbrand zwischen Milzenhäuschen, Schmidtheim und der Urft vor. Ausgangspunkt war die Meldung einer Wandergruppe über einen Brand auf einer Fläche mit niedrigem Bewuchs und hohem Totholzanteil. Im weiteren Verlauf sollte sich das Feuer auf angrenzende Waldflächen ausbreiten.
Die Übung war als Premiere angelegt und sollte erstmals das kreisweite Waldbrandkonzept in der Praxis testen. Hintergrund ist die zunehmende Gefahr von Wald und Vegetationsbränden infolge längerer Trockenperioden und steigender Temperaturen.
Christian Heinrichs betonte die Bedeutung solcher Vorbereitungen: "Es ist nicht die Frage, ob diese Situation eintritt, sondern nur, wann und wo es passiert."
Breite Beteiligung zahlreicher Organisationen
An der Übung sollten rund 300 Einsatzkräfte teilnehmen. Neben Feuerwehreinheiten aus mehreren Kommunen des Kreises Euskirchen waren auch Kräfte aus Belgien eingebunden. Darüber hinaus waren das Deutsche Rote Kreuz, die Leitstelle des Kreises Euskirchen sowie Beobachter und Vertreter weiterer Organisationen beteiligt. Zu den Gästen und Beobachtern gehörten unter anderem Vertreter von THW, DLRG, Malteser Hilfsdienst, dem Rhein Erft Kreis sowie die Bürgermeister der Kommunen Dahlem, Blankenheim und Hellenthal.
Ebenfalls eingebunden waren Fachleute des Landesbetriebes Wald und Holz NRW beziehungsweise des Regionalforstamtes Hocheifel Zülpicher Börde. Die enge Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Forstverwaltung stellt einen wichtigen Baustein bei der Bekämpfung von Waldbränden dar.
Dominik Gertzen, stellvertretender Leiter des Regionalforstamtes Hocheifel Zülpicher Börde, erklärte hierzu "Einen Waldbrand zu löschen, ist etwas völlig anderes als die Bekämpfung eines Hausbrands."
Übungsziele Zusammenarbeit und Waldbrandkonzept im Fokus
Im Mittelpunkt der Übung standen mehrere zentrale Ausbildungs und Übungsziele. Erprobt werden sollten das kreisweite Waldbrandkonzept, die Führungs und Kommunikationsstrukturen sowie die Zusammenarbeit verschiedener Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Darüber hinaus standen die Koordination zwischen Feuerwehr, Leitstelle und Forstbehörden, die Sicherstellung einer leistungsfähigen Wasserversorgung sowie die Erprobung speziell ausgebildeter Waldbrandabwehreinheiten im Fokus.
Christian Heinrichs erläuterte das Konzept der Waldbrandbekämpfung:
"Eine Gruppe bekämpft das Feuer direkt, während andere die Wasserversorgung und den Materialnachschub sicherstellen."
Geplant war zudem die Einbindung von Löschhubschraubern der Polizeifliegerstaffel Düsseldorf. Diese sollten den Einsatz von sogenannten Bambi Buckets zur Luftwasserförderung demonstrieren. Aufgrund der Wetterlage mussten die Hubschrauber ihre Teilnahme jedoch bereits am Morgen absagen.
Wetter zwingt Einsatzleitung zum Abbruch
Während die ersten Übungsabschnitte noch durchgeführt werden konnten, verschlechterte sich die Wetterlage zunehmend. Starker Regen allein hätte die Übung nicht gefährdet. Mehrere Blitzeinschläge im Waldgebiet machten eine Fortsetzung jedoch unverantwortlich.
Christian Heinrichs berichtete: "Der Regen wäre kein Problem gewesen. Aber es hat mehrere Blitzeinschläge im Wald gegeben."
Nach sorgfältiger Lagebeurteilung entschied die Einsatzleitung schließlich, die Übung abzubrechen. Der stellvertretende Kreisbrandmeister Wolfgang Fuchs begründete die Entscheidung mit dem Schutz aller eingesetzten Kräfte. "Dass eine Übung dieser Größenordnung wegen des Wetters abgesagt werden muss, habe ich so auch noch nicht erlebt."
Die Sicherheit der Einsatzkräfte habe oberste Priorität. Insbesondere bei Gewittern in Waldgebieten seien die Risiken durch Blitzschlag und herabfallende Äste nicht kalkulierbar.
Wertvolle Erkenntnisse trotz vorzeitigem Ende
Trotz des wetterbedingten Abbruchs fiel das Fazit der Verantwortlichen positiv aus. Bereits die ersten Stunden der Übung ermöglichten wichtige Erkenntnisse hinsichtlich Organisation, Kommunikation und Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen.
Landrat Markus Ramers unterstrich die Bedeutung solcher Übungen: "Wir sind ein großer Kreis mit vielen Waldflächen. Und die Klimaveränderungen zeigen, dass wir uns auf solche Szenarien wie Waldbrände vorbereiten müssen. Da hilft kein Konzept auf dem Papier, das muss man üben."
Auch für Christian Heinrichs steht fest, dass die monatelange Vorbereitung nicht vergeblich war. Das erarbeitete Waldbrandkonzept habe sich grundsätzlich bewährt und könne jederzeit erneut umgesetzt werden.
"Wir haben trotzdem einige Erfahrungen sammeln können heute. Und das Konzept haben wir in der Schublade. Wir werden einen neuen Anlauf machen."
Die Verantwortlichen prüfen bereits einen neuen Termin, möglicherweise im Herbst. Die bisherigen Erkenntnisse werden in die weitere Planung einfließen, damit die Übung zu einem späteren Zeitpunkt vollständig durchgeführt werden kann. Die ersten gewonnenen Erfahrungen haben bereits gezeigt, wie wichtig die gemeinsame Vorbereitung auf großflächige Wald und Vegetationsbrände ist und wie entscheidend das Zusammenspiel aller beteiligten Organisationen im Ernstfall sein wird.
(Quellen: Kölner Stadt-Anzeiger/Kölnische Rundschau, WDR)
Kreisfeuerwehrverband
Euskirchen e.V.