Gefahrgutaustritt zum Lehrgangsabschluss

Kreis Euskirchen. Die Situation ist diffus: Ein Gefahrguttransporter ist verunglückt. Die Gründe stehen nicht fest. Klar ist nur: Im Tankauflieger ist ein Leck, Flüssigkeit tritt aus. Es besteht Gefahr für Leib und Leben. Ein klarer Fall für die Feuerwehr.

Das war die Ausgangslage für eine praktische Übung während des ABC-Einsatz-Lehrgangs des Kreisfeuerwehrverbandes auf dem Parkplatz vor der katholischen Grundschule Mechernich an der Feytalstraße. Lehrgangsleiter Johannes Gebertz hatte sich die Übung ausgedacht, jetzt galt es für die insgesamt 16 Feuerwehrmänner, sich erstmals in Zugstärke einer Einsatzsituation zu stellen. „Das Grundschulgelände ist prädestiniert für die Übungen, weil es auf dem Gelände tolle Möglichkeiten für Übungen gibt“, berichtet Gebertz.

Fantasie war auch gefragt

Natürlich muss dabei auch die Fantasie mitspielen. Der Gefahrguttransporter war eigentlich ein Gerätewagen, an den eine Gefahrentafel gepappt war, die durch die Kennzeichnung 663/2023 darauf hinwies, dass der Transporter Epichlorhydrin geladen hatte, von dem giftige und reizende Dämpfe ausgehen und das bei Vermischung mit Luft explodieren kann. Natürlich wurden die Feuerwehrmänner (Frauen hatten sich nicht für den Lehrgang gemeldet) nicht in Gefahr gebracht. Die aus einem Tank austretende Flüssigkeit war Wasser.

Während sich der erste Einsatztrupp vorbereitete und vom Gruppenführer Anweisungen abholte, wurde parallel eine Dekon-Station errichtet, in der die in grüne Chemieschutzanzüge gekleideten Einsatzkräfte von Kameraden in weißen Spritzschutzanzügen später dekontaminiert wurden.

Dann ging es an die Sichtung des Unglücksortes. Das Wasser, Verzeihung: das Epichlorhydrin lief schon unter dem Wagen auf den Schulhof. Das Loch des Tanks mit einem Keil zu stopfen brachte nicht den gewünschten Erfolg, also bauten die beiden Einsatzkräfte eine provisorische Auffangwanne. Perfekte Lösung wäre laut Gebertz gewesen, wenn der Tankinhalt in einen anderen Behälter gepumpt worden wäre oder in ein anderes Tankfahrzeug umgefüllt worden wäre.

„Die Erkundung ist bei dieser Übung das Entscheidende“, berichtet Gebertz. Der Gruppenführer müsse sich auf die Rückmeldungen des Angriffstrupps verlassen können, schließlich sei er selbst nicht direkt am Unglücksort.

78 Stunden Freizeit geopfert

„Vor einer Woche haben die Lehrgangsteilnehmer zum ersten Mal praktische Übungen im Lehrgang absolviert, aber in Gruppenstärke“, berichtet Gebertz eine Woche vor der Prüfung. 78 Stunden verteilt auf sieben Wochen – der Unterricht fand meist am Wochenende statt – haben die 16 Feuerwehrmänner in ihrer Freizeit geopfert – und das erfolgreich. Alle Absolventen haben den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen.

Ziel des Lehrgangs war das Kennenlernen aller ABC-Gerätschaften. „Jeder, der den Lehrgang bestanden hat, ist in der Lage, in den ABC-Einheiten im Kreis Euskirchen mitzuarbeiten“, erklärt Gebertz. Diese befinden sich in Euskirchen/Bad Münstereifel, Mechernich/Zülpich sowie Dahlem/Nettersheim. Außerdem ist ein erfolgreich absolvierter Lehrgang Voraussetzung für die Teilnahme am Gruppenführerlehrgang in Münster und am Lehrgang Gruppenführer ABC 2.

(Text und Fotos: Thomas Schmitz, Agentur ProfiPress)

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